Navigieren auf Ferrari Club Switzerland

Benutzerspezifische Werkzeuge

Sprachwechsler

Inhalts Navigation

Ferrari Meeting Maranello, 14. - 16. September 2006

16.09.2006 00:00

Herbstmeeting des Ferrari Club Switzerland

Bild Legende:

Am Anfang war die Organisation. Und die Organisation war gut. Man pilgerte von allen Seiten zur Geburtsstätte der schönsten und rassigsten Autos der Welt. Ein kleiner Tross vervollständigte sich in Chiasso-Coldrerio und bewegte sich gen Süden. Es war wie vor 2000 Jahren, nur viel schneller.

Nach kurzer Irrfahrt in und um Maranello landete der Tross am frühen Abend des Donnerstages beim Hotel Executive, wo es schon viele schöne rote Autos hatte (früher waren es Kamele) und schwarzgewandete Wächter sich dieser Fahrzeuge annahmen. Nach millimetergenauem Parkieren, Schnauze nach vorn, und so, dass die Türen ohne Freundberührung aufgingen, trabte man in die Schenke und hielt Ausschau nach Trinkbarem. Und davon fehlte es nicht.

Das ok-Team war da und verteilte Unterlagen und kleine Geschenke und den obligaten Umhänger an den Hals, der diesmal, oh high-tech, einen Chip drin hatte. So war jeder Pilger von Ferne identifzierbar, ohne dass er/sie es merkte. Das übliche Hallo nach langem Wiedersehen war schlicht ergreifend. Man sah es, man mag sich.

Nach der üblichen Versorgung in der Herberge schritt man zum Essen und Trinken. Ein üppiger Apéro musste behutsam angegangen werden, wenn man beim Diner noch dabei sein wollte. Der Wein floss reichlich und die Laune stieg und stieg in die Sphären der schönen Ausgelassenheit. Jedermann und jedefrau schien glücklich zu sein. Kunststück bei solcher Betreuung.

Der Donnerstag neigte sich seinem Ende zu, man sass draussen und becherte fröhlich weiter bis in den frühen Freitag hinein. Die Wackersten wollten kaum nach oben gehen und hörten nicht auf Rennfahrergarn zu spinnen. So ging der Anreisetag zu Ende.

Freitag, der 15. September 2006. Noch nicht ausgeschlafen und kaum richtig morgengegessen (auf Deutsch gefrühstückt) fand man sich bei strömendem Regen in den Bussen wieder, die die ganze Meute zur Fabrik der schönsten und rassigsten Autos der Welt fuhren. Der Empfang in Maranello war warm und herzlich. Man traute unserer Standhaftigkeit, kein Unrecht zu begehen (sic!) und liess uns mit Fotoapparaten und Fotohandys in die heiligen Hallen, aber immer mit der Bitte, diese Dinger in der Fabrik ja nicht zu zücken.

In kleinen Gruppen steuerten wir zuerst die Abteilung Classiche, die Restauration an, wo all die adligen Gegenstände unter sanfter Seide ruhten und an denen man nun in liebevoller Handarbeit die damalige Jugend wieder zu erwecken versucht. Eine solche Erweckung kostet wohl mehr als ein neues Auto, doch dies zeigt die irrationale Liebe zu einem frühen Stück Technik. Ja, und man durfte dort Bilder schiessen, was alle, die den Apparat zu Hause liessen, sehr traurig stimmte.

Als nächstes bestiegen wir ein futuristisches Glasgebäude, mit Wasser und Steinen auf dem flachen Dach, durch welches wunderschöne Lichtspiele in die Räume gefunkelt wurden. Dieses Gehäuse soll, hiess es, die Imagination anregen und Ingenieure und Konstrukteure zu dem erwecken, was Ferrari überhaupt ausmacht. Und dort fassten wir ein speaking-device, das uns von Erklärungen unabhängig machen soll. Und mit diesen Dingern umgehängt, ging es zur hochmechanisierten Motorenabteilung, wo im sanften Tageslicht durch die Glasdächer und zudem pflanzenumrahmt fleissige CAD-CAM Maschinen feines Motorisches aus grobem Metall herausarbeiteten. Überall standen Operateure rum, die entweder instruiert wurden oder diese grantigen Dinger, die vor sich hin schraubten, feilten und frästen, überwachten.

Dann ging es rüber in die Halle, wo die Motoren komponiert wurden. Es wäre profan zu sagen, sie würden zusammengeschraubt, nein, das wurde zelebriert. Alles händisch und mit leuchtenden Augen ... oh Glück in dieser Manufaktur (manu kommt ja von Hand) schaffen zu können. Aber auch die Ehrfurcht der Besucher war deutlich spürbar. Mit dem Bus wurde dann unsere kleine Gruppe zur Spritzerei überstellt, wo wir von aussen, durch mit beiden Händen links und rechts vom Gesicht die Spiegelung vermeidend, in die Lackiererei spähten. Zwei verfahrbare Roboterarme spritzten von unten nach oben die Rohkarosserie dunkelblau statt rot, was an diesem Tag verzeihbar war, denn es schien ganz intensiv die Sonne. Statt Kameras schleppte man Regenschirme und statt Sonnenbrillen eine nun zu warme Regenjacke.

Doch all dies war einerlei, als wir locker zur Montagestrasse spazierten, denn das war ja jeweils die Krönung, nämlich zu sehen, wie das Auto step-by-step entsteht. Jedes Auto exakt nach Bestellung, und die verschiedenen Geschmäcker der Kombinationen liessen Vermutungen über die späteren Besitzer zu. Wir begannen an der Stelle, wo das Auto fertig ist und schlenderten in Richtung, wo immer mehr am Auto fehlte, bis zur Hochzeit. Das ist am Ende der Linie, wo der Motor in das Chassis gesetzt wird. Hochzeit nennen die Priester der Entstehung diesen Akt. Aber gleich daneben die Sattlerei im Lederduft. Da lernte man, wie Leder zu komplizierten Formen genäht und aufgezogen wird, Handarbeit par excellence. Der Kunde kann hier die Farbe des Leders, die Farbe der Nähte und die Stichweite selber bestimmen. Einige bereit liegende Farbzusammenstellungen liessen bisweilen die Augen flickern.

Nach diesen gut drei Stunden kam man mit müden Füssen im Empfang an, lieferte den gescheiten Sprechapparat ab und hastete rüber ins Cavallino. Man musste nun etwas für den Leib tun und den Geist ruhen lassen. Und das gelang prächtig.

Verdauungsschwer kletterte man wieder in den Bus, um zur Halle der F1-Clienti zu fahren, wo man hörte, wie Felipe Massa auf der Pista di Fiorano Taxifahrten drehte. Aber das war geheim, wir durften davon kein Aug‘ voll nehmen, nur die Ohren wurden bedient.

In dieser Halle, ganz neu, standen die F1er, alte und neuere, kaputte und ganze und ein grosses Pneulager rundum. Man macht sich keine richtige Vorstellung von dieser Art Technik, bis man sie mal genau gesehen hat. Karbonfaser verstärkte Karosserie, die mit dem Fingerknöchel angeklopft, seltsam tönen. Nicht Metall, nicht Kunststoff, aber etwas zwischendrin. Interessant waren die strömungstechnischen Zusatzteile und Patches gegen die Hitze, weil Auspüffe vor den Spoilern rausfeuern. Bastelei auf höchster Ebene.

Ja und dann waren wir frei und konnten nach Herzenslust rumstromern und einkaufen.

Der Abend war wieder für Leib und Auge reserviert. In eleganterer Kluft wurden wir zur „Villa Palazzina“ in Scandiano kutschiert, wo im Park ein Apero serviert wurde, den man mit nicht genug Sternen klassieren konnte. Nach einem strengen Tag begann sich langsam die Müdigkeit zu verflüchtigen, um einer gelassenen Stimmung platz zu machen. Rundum waren Leckereien aufgetischt, Flaschen gekühlt, Gläser bereit, ein Eldorado der finger-food-Kunst. Nicht wenig gesättigt begaben wir uns in die Villa und harrten dort der Dinge, wobei wir natürlich wussten, dass es wieder was zu Essen gab. Auch dieser köstliche Anlass zog sich wieder über die Mitternacht hinaus und man konnte den Rest der Nacht dem Schlafmanko zuzählen.

Samstag der 16. September 2006 war zweigeteilt. Wohl nicht der Tag, aber die Teilnehmerschaft. Es regnete nicht mehr, es war sogar trocken und die Sonne zeigte sich durch wenige Lücken. Eine Hälfte ging auf Kultur und die andere auf die Pista-Tour. Und das war das Grossartige an dieser Organisation, nämlich zwei Höhepunkte. Die Kultur-Tour, mit den eigenen Fahrzeugen wohlverstanden, folgte einem extra dafür ausgearbeiteten Roadbook zu verschiedenen Zielen durch die wunderschöne, hügelige Landschaft der Reggio Emilia. Höhepunkt war der Besuch der „Villa di Corlo“ mit Besichtigung der sich im Dachgeschoss befindenden „Acetaia“, also die kunstvolle Herstellung des Aceto Balsamico. Daran anschliessend dann die Degustation von Wein aus der Region und dem köstlichen Balsamico in der Azienda Agricola. Da gab es Flaschen und Fläschchen in allen Preislagen je nach Alter und natürlich auch wieviel davon drin ist. Von den teuersten, schwärmten die Heimgekommenen, täte man nur ein Tröpflein beispielsweise auf einen Käse, was wundervoll sei. Solchen Balsamico in den Salat? Nei aber au!

Dann die Weiterfahrt, dem Roadbook folgend, zum Ristorante Europa 92 (ist das eine Anspielung auf den damaligen EWR Entscheid?) zum üblich reichhaltigen Mittagessen und wieder zurück von der einmalig schönen Essig-Tour zum Executive.

Die andere Hälfte fand sich an der Pista di Fiorano zusammen und bildete ein kleines Fahrerlager voll Know-how und entsprechenden Kommentaren. Jeder sprach, jeder hatte was zu sagen, da war schon die Crème-Suisse der roten Zunft beieinander. Ja und dann ging es nach einem kurzen Briefing los. Das Röhren begann, man sagt dem Sound, und die Lust tobte in der Brust. Nach dem feinen Lunch wurde grosszügig den Frauen Pistenzeit eingeräumt, ohne darauf zu achten, wie sich das Wetter entwickelt. So durften die langsamen Frauen fünfzehn Minuten Runden drehen und dann die schnellen Frauen gleichviel. Und als die dann endlich von der Piste waren, fing es an zu tröpfeln. Alle die mit Benzin im Blut, nützten die Zeit, bevor die Piste patschnass wurde. Aber um fünfzehn Uhr war Schluss mit power-gliden oder was auch immer man anstellen wollte.

Bei strömendem Regen führten uns am Abend die Busse nach Modena ins „Montana“ zum Nachtessen. Ein Kontrast zur Villa am Vorabend, aber nicht weniger reizvoll. Das mehr rustikale Restaurant, in dem von Schumi bis zum letzten Mech alle verkehren, war vollgestopft mit Rennfahrerandenken. Die berühmten roten Kombis in extra gefertigten Vitrinen, gerahmte Danksagungen mit Unterschrift des ganzen Ferrari Rennstalls, rundum signierte Sturzhelme und jede Menge Posters in denen die Wirtin Rosanna, von Rennfahrern umarmt, zu sehen war. Hätte es nicht viel Gutes zu trinken gegeben, man wäre sich recht klein vorgekommen.

Die dritte Mitternacht als Bettzeit und die Heimfahrt am anderen Tag vor sich, war keine Sache. Das angepumpte Adrenalin reichte locker, dies sogar für die ganze darauffolgende Woche.

So war Maranello 2006 wieder ein unvergesslicher Event (falls man das auf Neudeutsch so stehen lassen darf).

Bericht: Alexandra Frei
Fotos: Rolf Gasser, Alexandra Frei, Ernesto Dürr, Rolf Wiederkehr

Weitere Informationen.

Fusszeile